römisches Koblenz - Confluentes
Römervilla Mülheim-Kärlich
Römervilla Remstecken
Römervilla an der Winninger Brücke
Merkurtempel am Kühkopf

Aus den bekannten Fakten über Caesars Gallien-Feldzug (57 bis 53 vor Christus) wird gern eine frühe Präsenz der Römer im späteren Kastellstandort abgeleitet. Der Brückenbau des römischen Konsuls und Feldherren zwischen Koblenz und Andernach lässt sich durchaus in einem Zusammenhang mit einer frührömischen Besiedlung des westlichen Rheinufers sehen. In den Quellen lässt sich Koblenz jedoch erst im frühen zweiten Jahrhundert nach Christus nachweisen. Aus dieser Zeit ist der erste spärliche Hinweis auf den frührömischen Siedlungsnamen überliefert – und zwar im Werk von Sueton. Der römische Schriftsteller veröffentlichte um 120 nach Christus seine Kaiserbiografien „De vita Caesarum“ in acht Bänden. Im Teil über Caligula wird „Confluentes“ (die Zusammenfließenden) als Geburtsort des grausamen Imperators genannt. Was dort lag und wie es aussah, bleibt allerdings im Dunkeln. Auch die wenigen Keramikfunde aus frührömischer Zeit helfen bei der Datierung nicht weiter. Und: Das in der Literatur immer wieder gern genannte Kastell auf dem Münzplatz, das angeblich im Jahr 8 vor Christus errichtet worden war, hat es nie gegeben.

Das Koblenzer Beispiel zeigt: Wenn es um die Suche nach den Wurzeln antiker Städte geht, sind Historiker mit ihrem Latein am Ende. Sie brauchen die Erkenntnisse aus der Archäologie. Aber was sich in der Theorie so einfach anhört, ist in der Praxis oft schwerer als gedacht. Archäologen arbeiten meistens unter großem Zeitdruck, weil sie in der Regel baubegleitend forschen. Demzufolge können meistens nur punktuelle Erkenntnisse gewonnen werden, die später in mühevoller Kleinarbeit in den großen regionalen und europäischen Kontext einzuordnen sind.

Was haben diese Beispiele mit der frühen Koblenzer Besiedlungsgeschichte zu tun? Ganz einfach: Sie sind historische Belege für eine frühe Geländebeschaffenheit, deren Vorzüge die Menschen schon lange vor dem Siegeszug der Kelten und der Römer zu nutzen wussten. Koblenz glich nämlich ursprünglich einer Inselwelt.

       
Einige der "Inseln" waren besiedelt. Die Einzelfunde stammen aus den Furten.
Auf den ersten niederländischen und französischen „Stadtplänen“ (rechts) des ausgehenden 17. Jahrhunderts ist die Sandbank an der Moselmündung noch gut zu erkennen. (Stadtarchiv Koblenz)

Im Gebiet der heutigen Altstadt gab es mehrere hochwasserfreie Bereiche, die von natürlichen Seitenarmen der Mosel umspült waren. Zu den größten „Inseln“ gehörte die Kernstadt innerhalb der heutigen Straßenzüge Altengraben, Entenpfuhl und Kornpfortstraße. Auch der Bereich um die Basilika St. Kastor war weitgehend hochwasserfrei. Er gehörte zu einer größeren Landzunge, die sich nach Süden bis auf die Höhe des heutigen Kurfürstlichen Schlosses fortsetzte. Die Funde, die in diesem Bereich gemacht wurden, reichen weit in die Steinzeit zurück.

Die Annahme, dass die Anfänge von Koblenz im Bereich der heutigen Basilika St. Kastor liegen, sind nicht von der Hand zu weisen. Auf jeden Fall werden die Indizien dafür, dass die ersten Koblenzer Siedlungsspuren eher in der Nähe des Rheins und nicht wie lange angenommen an der Mosel zu suchen sind, immer dichter. Für die Annahme spricht ein weiteres Argument: Da das Wasser in der Deltalandschaft zumindest in den warmen Monaten nicht besonders tief war, konnten hier leicht die ersten Flussübergänge für die ersten urgeschichtlichen Handelswege angelegt oder natürliche Furten genutzt werden.

Für diese These sprechen auch die steinzeitlichen Funde wie eine rund 10 000 Jahre alte Geweihhacke (sie ist der älteste Fund aus dem Innenstadtgebiet) und eine Steinaxt aus dem dritten Jahrtausend vor Christus, die als Universalgeräte eingesetzt werden konnten. Verschwiegen werden soll aber in diesem Kontext nicht, dass auch auf dem Münzplatz steinzeitliche Funde gemacht wurden. Sie datieren in die Zeit der frühen bandkeramischen Kultur und sind rund 7000 Jahre alt. Auf dem südlichen Sporn der Festung Ehrenbreitstein hat man vorgeschichtliche Funde gemacht.

Dass sich bereits Steinzeitmenschen im heutigen Koblenzer Stadtgebiet aufhielten, ist bereits durch ältere Entdeckungen belegt. In Bisholder und Güls deutete der Fund von Geröllgeräten darauf hin, dass schon vor 800 000 Jahren Menschen in der Gegend lebten. Funde aus dieser Zeit sind jedoch sehr selten. Der Ausbruch des Laacher-See-Vulkans vor rund 13000 Jahren bedeutete auch für das Rhein-Mosel-Eck eine Zäsur, so dass aussagekräftige Funde deutlich jünger sind.

Derzeit deutet alles darauf hin, dass die Koblenzer „Inselwelt“ bereits für die Menschen der Mittel- und Jungsteinzeit eine große Rolle spielte. Zunächst errichteten sie Jagdstationen, später, als sie Ackerbau und Viehzucht betrieben, erste Gruben- und Fachwerkhäuser, deren Spuren sich zum Beispiel bei den Ausgrabungen im Chorbereich der Kastorkirche (1989) fanden.

Schon aus diesen wenigen Beobachtungen lässt sich schließen, dass Rhein und Mosel in früheren Zeiten bei Weitem nicht so tief waren wie heute. Es konnte daher vorkommen, dass die Mosel im Sommer so weit austrocknete, dass sie nur noch ein Rinnsaal war. Wahrscheinlich ist, dass es im Flussbett sogar kriegerische Auseinandersetzungen gab. Eine Schlacht ist aus den Quellen auf jeden Fall überliefert: 1198 trafen Truppen des Staufers Philipp I. von Schwaben und des Welfen Otto IV. aufeinander.

Der Alltag zeigt: Auch Archäologen müssen sich außerhalb der Grenzen ihres eigenen Fachs bewegen und interdisziplinär arbeiten. Denn der Fund von Scherben oder Steinwerkzeugen allein sagt gar nichts. Erst mit zusätzlichen Erkenntnissen aus der Geologie lassen sich verlässliche Aussagen über die Anfänge der Besiedlung an Rhein und Mosel ableiten. Denn im Laufe der Zeit hat sich das Koblenzer Stadtbild gravierend verändert – auch an den Flussufern. Ihr heutiges Bild ist das Ergebnis schwerwiegender Eingriffe im 19. Jahrhundert und der Wiederaufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Man bedenke, dass bereits in den 1870er-Jahren die Mosel ausgebaggert wurde, um die Bedingungen für die Schifffahrt zu verbessern. Und für den Bau des am 31. August 1897 feierlich eingeweihten Kaiser-Wilhelm-Denkmals wurde gleich das gesamte Deutsche Eck (das seinen Namen von der im 13. Jahrhundert gegründeten Niederlassung des Deutschen Ordens hat) aufgeschüttet und verlängert.

Im Rahmen dieser großen Eingriffe verschwand auch die große Sandbank an der Moselmündung, die die letzte Zeugin einer Deltalandschaft war, die in urgeschichtlicher Zeit das Gebiet der heutigen Alt- und Innenstadt prägte und bis in die frühe Neuzeit nachwirkte. Stiche des ausgehenden 17. Jahrhunderts zeigen, dass die Dimension dieser Sandbank, der "Hundsschwanz" genannt wurde, nicht unbeträchtlich war. Auch im Rhein gab es solche Sandbänke. Das wohl bekannteste Beispiel ist der sogenannte „Kapuzinergrund“, der ungefähr auf Höhe der heutigen Fähre nach Ehrenbreitstein lag. Die Römer sollten einmal diese Sandbank als topografischen Vorteil erkennen und um das Jahr 49 nach Christus zum Bau ihrer ersten Rheinbrücke nutzen.

Ist Koblenz eine keltische Gründung?

Die besondere Topografie im ehemaligen Flussdelta Koblenz und die Fähigkeit der Kelten, komplexe Siedlungen zu bauen, legen vor dem Hintergrund der zahlreichen eisenzeitlichen Funde im Stadtgebiet einen Schluss nahe: Als die Römer in der Zeit um Christi Geburt an den Rhein vorstießen, fanden sie eine hoch entwickelte Zivilisation der Treverer vor. Schon früher, in der sogenannten Hunsrück-Eifel-Kultur, gab es beachtliche Leistungen der älteren Keltenstämme. Diese Kultur begann ungefähr im Jahr 800 vC und endet um 250 vor Christus. Sie ist somit Teil zweier Epochen: der jüngeren Hallstattzeit und der La-Tène-Zeit.

Befürworter dieser Theorie argumentieren sogar sprachgeschichtlich. Sie leiten den Namen von Koblenz nicht vom lateinischen apud confluentes (bei den Zusammenfließenden), sondern vom keltischen Wort condas ab. Dieses steht für Zusammenfluss und kehrt in dem häufig gewählten Ortsnamen Condate wieder. Die Theorie hat nur einen Haken: Zwar sind die keltischen Sprachen heute als Zweig der indogermanischen Sprachfamilie fassbar, doch heißt das nicht, dass es auch Quellen gibt, die diese Annahme belegen können. Die keltische Kultur lässt sich auch im Koblenzer Raum nur mithilfe der Archäologie erforschen. So wurden bei den Ausgrabungen in der Nähe des Deutschen Ecks Gehöftareale untersucht, die in die Zeit vom 7. bis zum 3. Jahrhundert vor Christus datieren. Ähnliche Befunde gab es in der Rheinstraße, zwischen Florinspfaffengasse und Kornpfortstraße sowie südlich des Münzplatzes. Am Wöllershof entdeckten Archäologen sogar Reste eines spätkeltischen Brennofens.

Aus den genannten Funden und Befunden ergibt sich eine Reihe von Indizien, die für eine ausgedehnte Handels- und Handwerkersiedlung im Bereich der heutigen Innenstadt sprechen. Allerdings dürfte dieses Areal nicht dicht bebaut gewesen sein. Archäologen gehen heute von einer Ansammlung von Gehöften sowie frei stehenden Fachwerkhäusern und Grubenhäusern aus, die auf den hochwasserfreien „Inseln“ im Flussdelta errichtet wurden. Dieses Bild findet im Umland zahlreiche Entsprechungen. Vor allem in der Eifel legen Mitarbeiter der Archäologie immer wieder Grundrisse und Abfallgruben von Siedlungen frei. Einige dieser Anlagen, darunter auch Koblenz, haben eine Platzkontinuität, die weit in das Neolithikum zurückreicht.

Hinweise auf vorkeltische Kulturen haben sich bis heute in einsilbigen Ortsnamen wie Thür oder Trimbs erhalten. Welche Völker vor den Kelten in der Region (in der es damals deutlich milder war als heute) lebten und wie sie sprachen, ist heute unbekannt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass am Mittelrhein zahlreiche Funde aus der Bronzezeit (1800 bis 1200 vor Christus) gemacht wurden. Und: In Koblenz handelt es sich überwiegend um sogenannte Weihefunde, die im Bereich der Flussfurten gemacht wurden.
Über die Art der bronzezeitlichen Besiedlung im heutigen Stadtgebiet können sie keine Auskunft geben. Wir wissen aber, dass es am Übergang zur Urnenfelderzeit (1200 bis 800 vor Christus), die ihren Namen von den Urnenbestattungen in großen Flachgräberfeldern hat, vor allem wegen klimatischer Verschlechterungen, Bevölkerungsbewegungen gab. Sie betrafen den ganzen Kontinent. In Koblenz entstanden die befestigten Adelssitze auf dem Dommelsberg im Stadtwald und auf dem Ehrenbreitstein. Beide Anlagen wurden im Bereich wichtiger Handelsrouten gegründet. Die Befestigung auf dem heutigen Festungsplateau hatte außerdem die Aufgabe, die Erzlagerstätten im Mühlental zu sichern.

Bedeutende Fundstätten

Beide Epochen tragen den Namen zweier zentraler Fundstätten, die nicht nur zum Inbegriff der keltischen Kultur wurden, sondern auch die Leitfossilien für die Datierung archäologischer Funde lieferten. Während die Hallstattzeit von einem keltischen Gräberfeld bei Hallstatt im österreichischen Salzkammergut abgeleitet wird, geht die La-Tène-Zeit auf einen gewaltigen Waffenfund beim schweizerischen La Tène am Neuenburger See zurück.

Aus der älteren und jüngeren Eisenzeit sind eindrucksvolle Plätze erhalten: Befestigte Fürstensitze wie der Glauberg in der Wetterau, Adelsgräber wie das berühmte Hügelgrab des Keltenfürsten von Hochdorf im Kreis Ludwigsburg (beide um 500 vor Christus) oder die berühmte Siedlung von Manching bei Ingolstadt sind nur einige der vielen herausragenden Beispiele. Allein im sogenannten Oppidum Manching lebten im 1. Jahrhundert vor Christus bis zu 10000 Menschen. Sie arbeiteten fast unter industriellen Bedingungen. Denn die Kelten waren Meister der Metallurgie, des Handwerks und des Handels.

Zeugnisse der keltischen Hochkultur sind auch aus der Region Mittelrhein überliefert. Berühmt wurden die Wagengräber von Bell im Hunsrück, Kärlich und Lonnig aus der Zeit um 600 vor Christus und der kreisrunde Goloring bei Kobern-Gondorf, der heute als Kultstätte interpretiert und in die Jahre von 800 bis 250 datiert wird. Ferner dokumentieren die in den Grabhügeln der Region entdeckten etruskischen Schnabelkannen aus Bronze weit reichende Handelsbeziehungen. Funde von Transportgefäßen zeigen, dass sogar Wein aus dem Rhonetal importiert wurde. Der ausgeprägte Fernhandel machte die Gründung von Handels- und Handwerkssiedlungen erforderlich. Die Funde aus Koblenz könnten ein Beleg dafür sein, dass das an wichtigen urgeschichtlichen Handelsrouten gelegene Flussdelta (siehe Teil 1) schon damals eine wichtige Rolle spielte.

Aufbruch nach Klimawandel

Wir wissen heute, dass die späte Urnenfelderzeit den Siegeszug des Eisens einleitete. Wer die Kunst beherrschte, aus dem spröden Material Waffen herzustellen, die härter als Bronzeschwerter und Pfeile waren, hatte im Konfliktfall die schärferen Argumente.

Galten die späte Bronzezeit und die frühe Urnenfelderzeit noch als friedlich, wurden spätere Phasen konfliktreicher. Denn ganz Europa war in Bewegung. Im Falle der Philister hat der Prähistoriker Wolfgang Kimmig (1910–2001) genau rekonstruiert, wie weit eine Völkerwanderung führen konnte: Wahrscheinlich vom Balkan kommend, siedelte sich dieses Volk bereits um 1200 vor Christus in Palästina an. Die Philister und auch die Seevölker im Süden sind somit Protagonisten der Verwerfungen, die sich schließlich bis in den süddeutschen Raum und dann weit darüber hinaus auswirken sollten. In der späten Urnenfelderzeit werden auch die Protokelten fassbar. Dieses Volk wird in unserer Region in der Laufelder Kultur fassbar, die für die Epoche zwischen Urnenfelderzeit und Hunsrück-Eifel-Kultur steht.

Neben ihrer überlegenen Kultur brachten die Kelten aber auch grausame Bräuche mit. So standen die eisenzeitlichen Stämme nicht nur für Menschenopfer für ihre Gottheiten, sondern auch für makabre Schädelkulte, die es auch noch im 1. Jahrhundert vor Christus gab. Ihren Feinden schlugen sie die Köpfe ab und hefteten sie mit groben Nägeln an ihre Hütten. Davor hatten sogar die römischen Legionäre Angst.

Am Ende halfen weder Mut noch Grausamkeit. Nach Cäsars Gallien-Feldzug mussten sich die Kelten Rom beugen – auch wenn sie weiter die Bevölkerungsmehrheit bildeten. Die damals in unserem Raum lebenden Treverer orientierten sich ebenfalls an der neuen „römischen Leitkultur“. Für das romanisierte Koblenz brach eine ganz neue Zeit an. Die Siedlung wurde Teil eines Weltreichs.

Im Gallischen Krieg gegen die Germanen erreichten römische Truppen unter Julius Caesar 55 v. Chr. den Rhein und errichteten zwischen Koblenz und Andernach einen ersten Rheinübergang. Zu dieser Zeit siedelten hier die Treverer, die die gesamte Moselregion beherrschten. Die typisch keltischen Fachwerkbauten sind in der Region nur schwer nachweisbar, jedoch sind Siedlungsspuren und Eisenverhüttung schon zu vorrömischer Zeit nachweisbar. Auch das ursprüngliche Wege- und Handelsnetz stammt aus keltischer Zeit und wurde von den Römern später ausgebaut.

In Koblenz selbst reichen Siedlungsreste in der Nähe des heutigen Münzplatzes bis ins ausgehende erste vorchristliche Jahrhundert zurück. Koblenz zählt somit zu den ältesten Städten Deutschlands. Vermutlich in spättiberisch-frühclaudischer Zeit wurde dann irgendwo am Zusammenfluss von Mosel und Rhein ein Kastell zur Sicherung der Rheinstraße Mainz-Köln-Xanten erbaut. Die Römer nannten ihre Ansiedlung „Apud Confluentes“, was so viel wie „Bei den Zusammenfließenden“ bedeutet.  Die Siedlung gehörte seit etwa 85 n. Chr. zu der neu gegründeten römischen Provinz „Germania Superior“. Die Grabungen, die im Zuge der Buga 2008 auf dem Münzplatz und im Baubereich für die Seilbahn vor der Kastorkirche (am Deutschen Eck) gemacht wurden, bewiesen dann auch endlich, dass im Bereich des Münzeplatzes ein Palisadenkastell stand, mit Spitzgraben und eben einer Holzwehr umgeben war. Und wo fand man die Reste eines größeren Tempels? NATÜRLICH - wie überall in Europa - unter der Apsis der Kastorkirche. Auch hier hat das Christentum den wahrscheinlich uralten Weiheplatz überbaut und umgewidmet.

Römische Brücken wurden über Rhein und Mosel errichtet. Eine ca. 350 Meter lange Pfahlbrücke über den Rhein wurde um 49 n. Chr. zwischen dem heutigen Ehrenbreitstein und der Koblenzer Rheinseite erbaut. Sie bestand aus ca. 650-750 Eichenstämmen mit eisernen Spitzen, so genannte Pfahlschuhen, von denen 51 bis heute erhalten geblieben sind. Die Moselbrücke, 50 m neben der heutigen Balduinbrücke gelegen, wurde als Teil der römischen Rheintalstraße erbaut.

Koblenz, mit einer Fläche von 5,8 ha ummauerter Stadt, war wahrscheinlich keine Garnisonsstadt, aber Stützpunkt der Rheinflotte, um die Heerstrasse über die Moselbrücke zu schützen.

Ende des 1./Anfang des 2. Jahrhunderts wurde ein Auxiliartruppenkastell in Niederberg zum Schutz des römische-obergermanischen Limes errichtet. Um 259/260 wurde das rechtsrheinische Bereich nach einer verheerenden fränkischen Offensive wieder geräumt. Nach dem Fall des Limes wurde der Bereich der heutigen Altstadt mit einem mächtigen Mauerring versehen. 355 wurde die Stadt erobert und geräumt, wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Ursupation des Silvanus 355.

Den Barbarenssturm von 406/407 hat die Stadt anscheinend unbeschadet überstanden. Beim Abzug der römischen Truppen im 5. Jahrhundert wurden Rhein- und Moselbrücken zerstört. Bis heute zeugen Mauerreste und Straßenzüge in der Koblenzer Altstadt von der spätrömischen Befestigung.

Die heutige Löhrstrasse war die „Römerstrasse“, die von Mainz nach Koblenz (85 KM = 36 Leugen) und weiter nach Köln führt, sie geht über die Römerbrücke (aus lothringischem Kalkstein) nach Lützel, weiter über die alte Andernacherstr. nach Antunnacum, Rigomagus, Bonna und Colonia und über verschiedene Wege über Rübenach und Metternich in die Eifel.

Da die damalige wie heutige Hauptstraße, die Hunsrückhöhenstrasse, über den Hunsrück der Haupthandels- und Reiseweg war, liegt ganz logisch oberhalb von Koblenz  im heutigen Stadtwald unweit der B 327 eine Tempelanlage für den römischen Merkur und die gallisch-keltische Rosmerta. Dort gefundene römische Münzen belegen eine Nutzung der Anlage bis in das 5. Jahrhundert.

Am Remstecken finden sich Überreste eines römischen Bauernhofes (Villa rustica), der teilweise ausgegraben und teilrekonstruiert ist. Vermutlich diente er sowohl der Versorgung der Reisenden, als auch der von Priestern und Personal, die den Kultbetrieb am Tempel durchführten.

Im Hang direkt oberhalb des Industriegebietes Mülheim-Kärlich hat man die Reste einer Römervilla ausgegraben. Wie fast immer - mit schöner Aussicht auf die Schwemmebene des Neuwieder Beckens und auf den Feldkirchener Hang (dort die Mohnclan-Siedlung aus Band 1) oberhalb Neuwied.  Man hatte halt gerne den (hochwasserfreien) Überblick. Es hat sich herausgestellt, dass wohl so in etwa alle 2-5 Km ein römischer Gutshof in Betrieb war, dessen Fläche von einer Familie mit Knechten und Mägden zu bewirtschaften war.
Die Gutshöfe dienten vor allem auch der Versorgung der römischen Soldaten, die kostenfreien Anspruch auf gewisse Mengen Nahrungsmittel und Getränke hatten.


Merkurtempel am Kühkopf/Koblenz


Treppe zum Tempelplateau

  
       

Die Tempelanlage am Kühkopf ist über den Parkplatz "Eiserene Hand" an der B 327 erreichbar. Ein gut ausgebauter Weg führt den Berg hinauf.
Hier hat man um die 1900er-Jahrhundertwende einen gallo-römischen Umgangstempel ausgegraben, wie er für die Region typisch ist (weitere Funde z. B. auf dem Martberg bei Pommern/Mosel).

Diese Tempelanlage war Merkur und Rosmertha gewidmet; der Kult vollzog sich in nach vorrömischen Religionsgewohnheiten keltischer Prägung. Denn schon vor dem Bau aus römischer Zeit fand man Vorgängerbauten aus Holz und Kultgegenstände aus dem 1. Jahrh. v. Chr. Der Tempel mit den Maßen von ca. 19x19 Metern stand in einem ummauerten heiligen Bezirk (Temenos), dessen Durchmesser ca. 106 m betrug. Der Tempel selbst bestand aus einem quadratischen Zentralbau (Cella), in dem Altar und Götterbildnisse standen.  Um den Zentralbau herum lief eine Säulenhalle.
Im Tempelbezirk befand sich ein Brunnen und weitere kleinere Gebäude, vielleicht Fundamente für Weihestandbilder. Münzfunde wiesen eine Nutzung der Anlage bis ins 5. Jahrhundert nach.
Unterhalb des eigentlichen heiligen Bezirkes wurden Reste einer Siedlung gefunden. Wahrscheinlich Herbergsgebäude für die Pilger, Läden für Opfergaben und Tavernen für die Verpflegung von Tempelpersonal und Besuchern.
Wie ein gallo-römischer Tempelbezirk ausgesehen hat, kann man in der Rekonstruktion auf dem Martberg bei Pommern/Mosel erleben. Siehe meine Seite zum Martberg.


römische Villa am Remstecken an der B327 Koblenz


Das Hauptgebäude hatte ca. eine Fläche von 15x12 m. Mehrere Lager- und Wirtschaftsgebäude vervollständigen den Gutshof, der seine Blütezeitim 1. und 2. Jahrhundert erlebte. Während der diversen Barbareneinfälle war er anscheinend nicht bewirtschaftet und ging erst wieder im 4. Jahrhundert bis zum Ende des Römisches Reiches um 450 in Nutzung.

Wahrscheinlich eine Doppel-Dörrofenanlage/Backofen


Rekonstruktion des Grabhügels auf der anderen Seite der B327

Römervilla oberhalb Mülheim-Kärlich bei Koblenz



Bei der Bimsgewinnung stiess man auf die Grundrisse eines ausgedehnten römischen Guthofes. Der Gutshof liegt heute an der Verbindungsstraße von Bubenheim nach Mülheim-Kärlich im Hang. Das Gebäude hatte die Maße 70x35 m mit zweiSeitenflügeln und einem Säulengang (Porticus). Im rückwärtigen Flügel befanden sich die Küche und Wirtschaftseinrichtungen, in der Nordostecke ein Badetrakt. Gebäude und Badetrakt wurden mit Hypokauskaustenheizung erwärmt. Nebengebäude wie Lager und Stallungen vervollständigten den Gutshof. Im 1. Jahrhundert gegründet, im 2. und 3. Jahrhundert ausgebaut, dann verlassen wohl wegen der diversen Franken- und Germaneneinfälle zwichen 260 und 300. Gegen 359/360 ganz aufgegeben worden.
      

     

Verschiedene Villen sind im Rheinland und Saarland mehr oder weniger aufwändig rekonstruiert, bzw. die Fundsituation konserviert worden. Bitte auf den Seiten zu Borg, Echternach, Bliesbrück-Reinheim; Bad Neuenahr und Bollendorf weiterlesen.


RRömervilla an der A61 - Moseltalraststätte an der Winninger Brücke
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Die meisten Einheimischen wissen nicht, dass es sie gibt, die Reste einer Römervilla direkt an der Autobahnraststätte Moseltal. Man geht vom dortigen moselseitigen Parkplatz aus die Auffahrt zur Autobahn Richtung Koblenz entlang und sieht dann rechts im Hang ein Hinweisschild.

Villenplan

Aller Wahrscheinlichkeit nach widmete sich der Besitzer der Villa dem Weinbau, denn direkt südlich der Villa geht es den Berg hinunter in die Moselweinberge


Das ist der Keller mit der Kellerdecke auf dem Nivau des Villenparterre



Keller links
Kel




Keller rechts


Die Öffnung der Heizung für die Fussbodenheizung/Praefurnium

Badebecken/Piscina

Die Villa ist ziemlich lang, hatte wohl einige Vorratsräume.

Raumeinteilung

Blick vom Parkplatz - Von der Villa aus wird man einen wunderbaren Blick nach Süden über die Hunsrücklandschaft gehabt haben.